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Wir unterbrechen kurz, für einen Werbeblock: 

Am 27. Oktober erscheint die deutsche Ausgabe von „Heiligtümer des Todes“, dem siebten und vermeintlich letzten Harry Potter. Auch wenn dieser Band wieder sämtliche Rekorde brechen wird, stellt sich die Frage, wer sich sein Exemplar mit der Frühstücksauslieferung sichern kann (am 27.10. garantiert bis 10.30 Uhr ankommend – ansonsten gibt es das Buch geschenkt!). 

 

www.Amazon.de und die www.webguerillas.de hatten im Zuge dessen die Idee, ein Bücherregal ins Internet zu stellen, bei dem sich User bereits jetzt, also Wochen vor dem Erscheinungstag, „ihren Harry Potter“ reservieren können. Entstanden ist „das größte virtuelle Bücherregal der Welt“, gefüllt mit über 150.000 Exemplaren.

 

Jeder Fan kann in dieser gigantischen Bibliothek seinen Harry Potter-Band individuell markieren und mit Anmerkungen sowie einem Bild versehen. Bis zum Tag der Auslieferung ist das Buch dann in der Bibliothek reserviert. Ob ein Buch noch zu haben ist, sieht man an der Farbe des Buchrückens. Natürlich ist auch der genaue Standort des Buches gespeichert, damit jeder Fan seinen Freunden sein persönliches Exemplar zeigen kann.

Link zum Angebot: http://www.hp-buecherregal.de  

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Wer kennt sie nicht: die Losverkäufer am Telefon, die einem täglich und ungefragt zum „Glück verhelfen“ wollen und dabei doch nur auf Eines aus sind – die Bankverbindung um abzubuchen. 900.000 dieser unaufgeforderten Anrufe, sogenannte „Cold Calls“, schätzt der Bundesverband der Verbraucherzentralen, werden täglich von Callcentern aus geführt.

Mehr als 5500 Callcenter gibt es in Deutschland. In dieser Wachstumsbranche in der walter services (Ettlingen) und die SNT AG (Frankfurt am Main) als führende Unternehmen und Pioniere im deutschen Call-Center-Geschäft zählen, nimmt nur noch ein Drittel im Auftrag eines Unternehmens Anfragen, Beschwerden oder Anregungen von Kunden im Inbound-Geschäft entgegen. Zwei Drittel widmen sich teilweise oder vollständig dem sogenannten Outbound: Verkaufsgeschäfte. Lottolose, Zeitschriftenabonnements, Nahrungsmittel, Versicherungsverträge und Hedgefonds, die in den Widerrufsregeln des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) Ausnahmestellungen einnehmen, rücken hierbei besonders stark in den Fokus.  

(Hans-)Günter Wallraff, der in den 1960er- und 1970er-Jahren durch seine unkonventionellen Reportagen zur Arbeitsweise und den Arbeitsbedingungen von Unternehmen wie Gerling, Thyssen (Titel: Ganz unten), McDonalds und der BILD-Zeilung (Titel: Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war) bekannt wurde, ist zurückgekehrt. Er recherchierte (wie einst) als Firmen-Mitarbeiter (bei CallOn in Köln und ZUI International in Köln) unter falscher Identität und veröffentlichte Ende Mai in der ZEIT einen sehr lesenswerten Bericht über die falschen und nicht immer legalen Verkaufstricks der Call-Center.

„Es ist nicht alles Gold was glänzt“

Wenn man Günter Wallraff glauben schenkt, wird in den Verkaufsgesprächen am Telefon skrupellos gelogen und darauf spekulliert, dass man diese Lügen nicht überprüfen könne:

„Behauptet, wir hätten vor Jahren schon mehrfach den Jackpot geknackt. Das können die ja doch nicht überprüfen.“

Bewaffnet mit ausgeklügelten „Argumentationshilfen“ und einem Katalog an Suggestivfragen, die auf die Lebensumstände eines jeden einzelnen und den Gesprächsverlauf abgestimmt seien, versuche man mit allen Mitteln nicht nur das Positive hervorzuheben, sondern den Angerufenen an „der Strippe“ zu halten und psychologisch geschult „umzubiegen“:

Hartz-IV-Empfängern und anderen Mittellosen sollen wir flüstern: „Auch Sie sollten endlich mal auf der Sonnenseite des Lebens stehen! Haben Sie nicht auch mal Lust, in die Karibik zu fahren? Unsere Mädels haben gerne den Spruch drauf: ‚Wenn Sie dann den Scheck von uns kriegen, fahren wir zusammen in die Karibik!“

Wer bei solchen Angeboten nicht „Nein, Danke“ sagen kann, lande schlussendlich bei der Frage zur Bankverbindung. Und auch hier gehe man äußerst geschickt vor:

„Wer zuerst von den Kosten redet, der kriegt die Bankverbindung nie. Wenn die fragen, wieso brauchen Sie denn meine Bankdaten? Ja, wir müssen schließlich wissen, wohin wir Ihnen den Gewinn überweisen! Die Reihenfolge ist wichtig. Und um die geht es, um nichts anderes, das müsst ihr im Schädel haben, Leute: die Bank, die Bank, die Bank.“ 

„Im Auftrag des Deutschen Jugendschutzes“

Windige Geschäftemacher finden tatsächlich noch dreistere Abzocken um beispielsweise Gastwirten – vorzugsweise ausländischen Kneipies – das Jugendschutzgesetz für 69 € zu verkaufen, welches man kostenfrei aus dem Internet herunterladen, ausdrucken und in Ikea-Bilderrahmen im Wert von EUR 4,50 stecke:

„Horst Müller ist mein Name. Ich rufe im Auftrag des Deutschen Jugendschutzes an. Jetzt gehen Sie erst mal nachschauen, von wann Ihre Jugendschutztafel überhaupt ist!“

Viele der Angerufenen haben sprachliche Defizite, sind leicht zu verunsichern und glauben, es mit einer Behörde zu tun zu haben, deren Anordnungen sie Folge leisten müssen:

„Jetzt hören Sie mir mal gut zu. 1985! Wir haben jetzt 2007. Die ist seit 22 Jahren ungültig! Wenn das Ordnungsamt kommt, zahlen Sie 300 Euro Strafe. Verstehen Sie, das sind Gesetze, Pflicht. Wir kommen sonst mit dem Ordnungsamt vorbei.“ Dann erklärt er mit verbindlicher Beamtenstimme: „Es handelt sich um eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 69 Euro. In drei Tagen wird Ihnen der Briefträger das neue Jugendschutzgesetz per Nachnahme bringen. Und tragen Sie dafür Sorge, dass es auch gut sichtbar aushängt.“

Fakt ist, dass ein Wirt, der sich trotz mehrfacher Aufforderung weigert, einen aktuellen Auszug des Jugendschutzgesetzes auszuhängen, mit einem Ordnungsgeld in Höhe von EUR 25 rechnen muss.

Und wieso greift Staat und Justiz hier nicht ein? 

Wer glaubt, dass diese „Arbeitsanweisungen“ schriftlich fixiert worden sind, der irrt. Diese schwarzen Schafe sichern sich gegen Kundenklagen besonders gut ab:

„Ich erkläre hiermit, dass alle geworbenen Kunden über die Modalitäten ausreichend von mir informiert worden sind und ich nur die wahrheitsgemäßen Zahlen, Daten und Fakten weitergegeben habe. Ich bin über meine Verpflichtung, den Kunden nur wahrheitsgemäß die Angaben zu übermitteln, ausreichend informiert worden.“

Unerwünschte Telefonwerbung gegenüber Privatpersonen in Form von Cold-Calls ist in Deutschland nach §7 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb eine „unzumutbare Belästigung“ und unzulässig, wenn nicht vorher eine Einverständniserklärung vorliegt.

Grundsätzlich gilt das Verbot der Belästigung durch Telefonwerbung jedoch auch für Anrufe unter Gewerbetreibenden. Nach einer Entscheidung des OLG Frankfurt vom 24. Juli 2003 (6 U 36/03) sind „Kaltanrufe“ um Neukunden zu gewinnen wegen Kundenfangs durch Belästigung nach § 1 UWG grundsätzlich verboten.

Soviel zur Theorie. In der Praxis ist derartigen „Telefondrückern“ nur schwer an den Kragen zu kommen: Eine Eintragung der eigenen Telefonnummer auf der Website www.telerobinson.de (eine Robinsonliste des „Deutsche Direktmarketing Verband e.V.„) stellt durch den monatlichen Abgleich der Kundendaten zwar sicher, dass „seriöse“ Telemarketingfirmen nicht mehr anrufen, doch in der Regel sind es ja gerade die anderen, die sich mit unlauteren Mitteln auf Kundenfang begeben:

In solchen Fällen lautet unsere Instruktion: das Gespräch beenden, sicherheitshalber. Unsere Telefonnummer wird ohnehin unterdrückt.

Die mit modernster Technik (sogenannten „Dialern“) automatisch angewählten Rufnummern stammen von Menschen, die unter anderem bei Gewinnspielen angekreuzt haben, dass sie die Weitergabe ihrer Adressen nicht verbieten „oder die vergessen haben, das anzukreuzen“. Callcenter-Betreiber beziehen diese in großer Stückzahl von sogenannten Adressbrokern, die entsprechendes Datenmaterial von bestimmten Zielgruppen bedarfsgerecht aufbereiten.

Auch diese „graue“ Theorie ist äußerst fragwürdig. Als kategorischer Nichtteilnehmer von Gewinnspielen und überaus gewissenhafter Kunde von Versandhäusern und Co., achte ich stets auf derartige Marketingklauseln und bin mir ziemlich sicher niemals vergessen zu haben, einen Widerspruch entsprechend zu formulieren. Dennoch erhalte ich mehrfach täglich Telemarketing-Anrufe verzweifelter Damen und Herren, die versuchen mir Lose und DSL-Anschlüsse zu verticken:

Ich mache mir einen Spass daraus, durch detaillierte Rückfragen und Nichtbeantwortung der Fragen des Callcenters die Kosten für die unerwünschte Werbung nach oben zu treiben. 🙂

Und wie ist Eure Erfahrung?