Web 2.0


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Nach der Verbreitung von Kinderpornografie in der virtuellen Internet-Welt „Second Life“ hat die Betreiberfirma des Online-Spiels, Linden Lab, angekündigt, künftig ein Altersverifikationssystem einsetzen zu wollen.

Dies wurde auch in zwei Blog-Posts (hier und hier) von Daniel Linden (Gründer von SecondLife) auf dem Second Life Blog  näher beschrieben.

Was war geschehen?

Report aus Mainz hat in einem seiner Berichte dokumentiert, wie in Second Life an kindlichen Avataren sexuelle Handlungen vollzogen werden.

Nach einem massiven Aufschrei in der Community und groß angelegten und gut organisierten Online-Demonstrationen auf Second Life hat sich die Betreiberfirma Linden Lab nunmehr dazu durchgerungen (anfänglich wollte man von diesen Auswüchsen nur bedingt Kenntnis gehabt haben) eine Altersverifizierung (z.B. anhand der Personalausweisnummer) einzusetzen, um sicherzustellen, dass auf SecondLife in der „Mature“- und „Adult“-Zones keine Minderjährigen unterwegs sind.

Doch geht es darum?  

Altersverifikation? Der Sinn und Zweck ist fraglich

Nicht nur im deutschen Strafrecht (mal davon abgesehen, dass es eine Unterscheidung in Sachen Jugendstrafrecht gibt) ist es vollkommen irrelevant, ob die Person, die sich hinter einem solch kindlich wirkenden Avatar versteckt, volljährig ist oder nicht. 

Wichtig für die Auslegung eines Tatbestandes ist einzig und alleine, wie der objektive Empfänger dieses Treiben (z.B. sexuelle Handlungen an einem Objekt) wahrnimmt: Und dieser nimmt einen kindlich wirkenden Avatar im Schulmädchen-Kleid und mit langen Pferdezöpfen, der einen Teddybären und Lollys in den Händen hält, unabhängig von einer Altersverifikation auch als solches wahr.

Was soll also diese Pharse?

  • Hat Linden Lab keine anderen technischen Möglichkeiten dieser Thematik „Herr“ zu werden?
  • Fürchtet Linden Lab Umsatzeinbrüche, weil das Klientel für derartige „Spielchen“ auf SecondLife doch nicht so gering ist, wie vom Unternehmen angegeben?

Nachdem ich mich in einem vorangegangen Blog-Beitrag mit einer nahenden Trendwende: „Das World Wide Web wird 3D“ befasst habe, stellt sich mir nun auch die Frage, ob die Blogosphere vor einem Wandel steht.

In den USA, aber auch schon hier in Deutschland, haben sich einige Blogs zu richtigen Massenmedien aufgeschwungen, die mit mehreren Autoren, mehr Leser erreichen als etablierte Zeitungen. Als Meinungsmacher (und Stimme des Volkes) weltweit anerkannt, greifen traditionelle Medien, wie Zeitungen und Fernsehen, immer häufiger, die in der Blogosphere heiß diskutierten Themen auf und schließen sich meist der dort überwiegenden Meinung und Stimmung an. 

Aber nicht nur die Presse wurde auf diese neue Darstellungsform aufmerksam.

Web 2.0: Untereinander Vernetzen ist alles! 

In Mitten dieser von Wiki’s und Weblogs geprägten Internetlandschaft erkannten vor ca. 4 Jahren auch Firmen (vor allem in den USA) ihre einmalige Chance den Mitmachgedanken des Web 2.0 in bare Münze umzuwandeln. Marketingtechnisch ist „Vom-Push-zum-Pull-Prinzip“ die Rede, bei dem untereinander vernetzte „unabhängige“ Leute, Webseiten von sich aus mit Inhalten füllen (siehe Wikipedia, YouTube, Flickr – allesamt erfolgreiche Projekte).

Mit Track-, Pingbacks, Blogrolls und Tags wurden den Weblog-Betreibern ausgeklügelte Vernetzungstechniken an die Hand gegeben, um ihre Eindrücke und Meinungen, komfortabel und themenbezogen im Web zu veröffentlichen. Neben speziellen Blog-Suchmaschinen (wie z.B. Technorati oder Google Blog-Suche) sorgte auch die mittlerweile übliche RSS-Feed-Funktion dafür, dass die mit Verlinkungen, Bildern und Videos gespickten Informationen in sekundeschnelle weltweit und direkt auf den Desktop interessierter Leser landen.

Was Mitte der 90er Jahre als „Online-Tagebücher“ für private Erlebnisse und persönlichen Erfahrungen startete, änderte sich jedoch schlagartig, als Blogs auch immer häufiger geschäftlich eingesetzt wurden. Ausgewählte Inhalte werden z.B. in sogenannten Coporate-Blogs oder durch „Berufs-Blogger“ zu Werbezwecken ins Social Web geblasen und einer breiten Öffentlichkeit vor die Nase gehalten.

„Berufs-Blogger“? Kann man denn mit bloggen Geld verdienen?

Robert Basic wollte im Januar 2007 den Beweis antreten und hat daraufhin seine Einnahmen veröffentlicht und andere Blogger dazu aufgerufen, ihm nachzueifern. Das Ergebnis für den Monat Mai 2007, ermittelt aus Daten von 117 Blogs, veröffentlichte er in einer Zusammenfassung in seinem Blog. Die teilnehmenden Blogs waren im Schnitt 13 Monate alt, verzeichneten 257.000 Page-Impressions pro Monat und 544 EUR (für einen „mittleren Blog“ lag das Mittel bei ca. 66 EUR) an Einnahmen. Gleich mehrere Ausreißer brachten es gar auf über 10.000 Euro pro Monat, und ließen daher die Statistik etwas ungleichmäßig ausfallen.

Das Interessante dabei ist, dass neben den altbekannten Affiliate-Partnerprogrammen, wie Google AdSense, ebay Relevance Ad und Amazon, die wir von herkömmlichen Webseiten kennen, auch sogenanntes Paid Blogging auftaucht – „bezahltes Bloggen“.

Paid Blogging – Rezensieren für Kohle?

Der Einfall, mit den Bloggern ein Geschäft zu machen, stammt von Ted Murphy (PayPerPost). Die Idee ist denkbar einfach: Blogger können sich für ein paar Zeilen Schleichwerbung einen netten Nebenverdienst sichern. Wie die Blogger moralisch mit der eingebetteten Werbung umgehen, ob sie den Inhalt also als Werbung kennzeichnen, sei ihnen selbst überlassen.

Einen anderen Weg geht ReviewMe. Zum einen muss der Blogger seinen Lesern mitteilen, dass es sich um Werbung handelt und zum anderen ist er nicht gezwungen eine positive Bewertung zu geben. Er kann seine eigene Meinung zu einem Produkt geben. Auch eine negative Meinung.

Widerspricht das nicht dem Grundgedanken des Bloggens?

Als die ersten deutschsprachigen Blogger bezahlte Blog-Berichte (und diese auch als solchen kennzeichneten) veröffentlichten, ging ein großer Aufschrei durch die Blogosphere. Es seien „Nestbeschmutzer“ und sie würden „ihre Seele an den Teufel verkaufen“. Doch wieso eigentlich?

  • Was ist daran verwerflich, wenn man den „Werbeblock“ als solches kennzeichnet?
  • Ist es nicht viel schlimmer, wenn man es nicht tut und dadurch unterschwellig Werbung betreibt?

Dass man bei vielen Lesern und Themen auch gut recherchieren muss und viel Zeit investiert, dürfte uns allen klar sein. Wenn man obendrein sowieso über ein bestimmtes Thema schreiben möchte und dazu eine Angebot findet, das einem unter bestimmten Bedingungen auch noch Geld dafür anbietet, ist das doch völlig legitim, oder?

Das Web 2.0 entpuppt sich als eine gewaltige Marketing-Maschinerie, die nur noch angeworfen werden muß.

Dies erkannte auch Novartis/Harris Interactive und gab als Schlussfolgerung zu ihrer 14. NetObserver-Studie an werbewillige Unternehmer folgende Empfehlung weiter:

Um Jugendliche unter 25 in ihrem bevorzugten Medium zu erreichen, ist es für Werbetreibende notwendig, ihre Werbestrategie an die Onlinekommunikation der jungen User anzupassen.

Interaktive (z.B. durch Spiele) oder „User Generated“-Werbung, ebenso wie virales Marketing sind daher die Marketingsstrategien, auf die Werbetreibende im Internet setzen sollten, um ihre junge Zielgruppe zu erreichen und die Effektivität ihrer Kampagnen zu steigern.

Da junge User die hautsächlichen Nutzer von Web 2.0-Anwendungen wie Blogs, Podcasts oder Community-Websites wie MySpace darstellen, wird die Gratwanderung für E-Marketer deswegen darin bestehen, Alternativen zu den klassischen Bannerformaten zu finden, ohne zu störend in diese „privaten“ Userbereiche einzudringen.

Wie ist Eure Meinung hierzu?

  • Würdet Ihr Euch für einen Bericht zu einer Firma / einem Produkt bezahlen lassen?
  • Und unter welchen Bedingungen würdet Ihr gegen Bares rezensieren?

Zum 31. Oktober 2005 wurde der 1995 von den Greve-Brüdern gegründete erste kommerzielle deutsche Internet-Katalog WEB.DE (Mitarbeiter; Web.de GmbH & WEB.DE-Portal) für eine sehr große Stange Geld (rund 200 Mio. EUR) und einem üppigen Aktienpaket (rund 5,8 Mio. Aktien von United Internet) an den UNITED INTERNET-Konzern veräußert

Während Matthias Greve weiterhin im WEB.DE-Dress seine Brötchen backt, macht sich sein älterer Bruder Michael mit ComBOTS auf den Weg, Weltmarktführer in Sachen Personal Digital Communication“ zu werden. Pünktlich zur CeBIT 2007 stellten beide Greves ihre neuen Produkte vor:

…..:::::: UNDDU.DE ::::::…..

„Bis jetzt hatte ich für meine private Homepage einen Anbieter, einen weiteren, um Business-Kontakte zu knüpfen, und einen dritten, um mit alten Schulfreunden in Kontakt zu bleiben“, erklärt Matthias Greve. „Mit Unddu.de kann ich jetzt alles auf einer Website verwirklichen.“

Ermöglichen möchte dies WEB.DE mit einer „Social and Personal Networking“-Plattform, die im Baukasten-Stil mit Inhalten wie Fotos gezielt gefüllt werden kann, um damit allen Internetnutzern, in einem Produkt sämtliche Varianten des Publizierens im Netz anzubieten: Unterhaltung, Spiele und soziale Netzwerke sind die Schlagworte, um die sich künftig alles auf dem Portal der Karlsruher drehen soll. Von der privaten Homepage bis hin zur Nutzung für Communities sei alles möglich.

Mit UNDDU.DE möchte Matthias Greve und die United Internet AG um Ralph Dommermuth also mit populären Internet-Angeboten wie Myspace, StudiVZ oder Facebook konkurrieren. Im Gegensatz dazu solle der Nutzer allerdings persönliche Informationen  freigeben oder aber für bestimmte Personen und Gruppen sperren können.

Wobei mit UNDDU.DE eher ein Produkt in den deutschsprachigen Markt gehoben wird, das dem Trend der weltweiten, aber kontrollierten „Exhibitionierung“ folgt, geht Michael Greve mit seinem Produkt ComBOTS einen ganz anderen Weg.

…..:::::: ComBOTS ::::::…..

Der Begriff ComBOTS setzt sich aus den englischen Worten Communication (= Kommunikation) und Bots (= Helferlein) zusammen und soll zum Inbegriff für spamfreie, unterhaltende und vertrauliche Drag & Drop-Kommunikation unter Freunden werden. Hierzu fokussiere man sich nach eigenen Angaben weltweit auf den Markt für „Personal Digital Communication“ und meldete dafür seit Gründung des Unternehmens zahlreiche nationale und internationale Patente an.

„Kommunikation ist persönlich. Es geht dabei um Spaß und um Emotionen“, so Michael Greve. „Die Kommunikation findet immer mehr übers Internet statt und wird dabei immer unpersönlicher und vor allem öffentlicher. Man müsse nur seiner Freundin eine Mail schreiben, in der das Wort ‚Rosen‘ vorkommt, schon taucht die passende Spam im Email-Eingang auf: ‚Hier gibt’s die schönsten Rosen‘.“ Das dürfe, laut Michael Greve, nicht sein.

Erreichen möchte dies ComBOTS dadurch, dass unter anderem die gängigen Kommunikationsarten des Internets, wie Instant Messaging, Email, Voice-Over-IP-Telefonie und Datenaustausch sinnvoll und vorallem auch einfach miteinander verknüpft werden. Durch das Fehlen öffentlich zugänglicher Adressbücher oder Suchfunktionen halte man den Dienst nicht nur spamfrei, sondern garantiere den Nutzern damit eine 100%-ige Privatsphäre.

Ein weiterer Fokus des Dienstes sei die persönliche und auch emotionale Kommunikation. Dazu hat ComBOTS eine Vielzahl an Lizenzverträgen mit großen Studios und Verlagen geschlossen. Dadurch können sich die Nutzer nach gegenseitiger Einladung auf dem Desktop ihrer Kontakte mit bekannten Comic-Figuren (u.a. Spongebob, Garfield, Batman) oder mit Helden aus Hollywoodfilmen (wie z.B. Herr der Ringe) darstellen. Über diese direkt auf dem Desktop platzierten Avatare lassen sich dann nicht nur sämtliche Interaktionen zur Kommunikation mit nur einem Klick erledigen, sondern auch durch aufwendig produzierte 3D-Animationen situationsbezogen emotionalisieren.

Auf den ersten Blick hört sich das so an, als würde ComBOTS in direkte Konkurrenz mit ICQ, MSN oder Skype gehen zu wollen. Bei genauerem Hingucken jedoch wird schnell klar, dass ComBOTS diese Dienste nur miteinander vereint und dabei versucht noch einen Tick besser und eben emotionaler und persönlicher zu sein.

FAZIT AUS MEINEN TESTS:

Ich habe sowohl ComBOTS, wie auch UNDDU.DE getestet und bin der Meinung, dass es sich bei beiden Angeboten zwar nicht wirklich um etwas Neues handelt, aber ich denke trotzdem, dass beide Produkte eine Bereicherung für die Internetnutzer sind. 

Die Greve-Brüder haben ihre Angebote so ausgelegt, dass man nur sehr wenig technisches Verständnis mitbringen muss um die Dienste vollumfänglich nutzen zu können. Aber auch für den Technik-Freak bieten sie interessante Features gepaart mit altbekanntem. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das genau der richtige Ansatz: Leistungsstark & einfach – für jedermann.  

Interessant wird es vor allem dann, wenn UNDDU.DE und ComBOTS miteinander verschmolzen werden sollen, was nicht nur für die Allianz vorteilhaft wäre, sondern auch einen entsprechenden Mehrwert für die Nutzer beider Produkte schaffen würde.

Kooperation zwischen UNDDU.DE und ComBOTS denkbar?

Wie aus der oben verlinkten Pressemeldung von der Übernahme zu entnehmen ist, haben beide Firmen angekündigt, „im Rahmen der vereinbarten Allianz bei der Erstellung und Vermarktung von Internetdiensten zukünftig weiter eng“ zusammenzuarbeiten.

Obwohl die Produkte auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind, lassen sich diese meiner Meinung nach sehr gut miteinander verknüpfen. Durch die Möglichkeit bei UNDDU.DE bestimmte Seiten nur für einige Kontakte freizugeben, besteht potentiell die Möglichkeit ComBOTS darin einzubinden und dabei jeweils nicht an der eigenen Geschäftsidee rütteln zu müssen, da jeder UNDDU.DE-Nutzer selbst entscheiden könnte, wem er „nur seine Seiten zeigt“ und wen er auf „seinen Desktop holt“. Vielleicht sehen das die beiden Firmen ja ähnlich.

Übrigens: Sowohl Ralph Dommermuth („I can’t wait to show this product to all my friends“), als auch auch Frank Schüler (Mitglied des Vorstands der ComBOTS AG) nutzen die Angebote des jeweiligen Allianzpartners. Bleibt nur noch abzuwarten, ob „United Internet“ und „ComBOTS“ auch geschäftlich Zusammenarbeiten werden, um das Angekündigte wahr zu machen.

Ich bin gespannt!