Unglaublich


1992 kaufte sich die damals 79-jährige Stella Liebig bei McDonald’s einen Becher Kaffee. Da sie ihn jedoch nicht sofort austrank, erfreuen uns alljährlich die nach ihr benannten Stella-Awards:

Wie bitte?

Ja, Du hast richtig gelesen. Denn Stella setzte sich mit dem Kaffee an das Steuer ihres Autos – den Pappbecher dabei zwischen ihre Oberschenkel geklemmt – und fuhr los. Beim ersten Manöver schwappte das Heißgetränk über, und Stella Liebig verbrühte sich schmerzhaft an sonst nicht so leicht zugänglichen Stellen. Grund genug für die Dame, mittels ihrer Anwälte McDonald’s zu verklagen – immerhin hätte ihrer Meinung nach der Fastfood-Konzern auf die Temperatur des Kaffees hinweisen und vor dieser unsachgemäßen Transportvariante warnen müssen. Ein Gericht sah das ähnlich und sprach ihr daraufhin 2,9 Millionen Dollar Schmerzensgeld zu.

In Folge dessen wurde der Stella Award ins Leben gerufen, welcher Personen ehrt, die in unberechtigter oder zumindest kurioser Weise gerichtlichen Schadensersatz forderten und zum Teil auch erhielten.

Sieger des „True Stella Award“ im Jahre 2006 (bei Stern.de):

Obwohl Allen Ray Heckard fast acht Zentimeter kleiner, 25 Pfund leichter und acht Jahre älter als Ex-Basketball-Star Michael Jordan ist, behauptet der Mann aus Portland, Oregon, dass er Jordan ziemlich ähnlich sieht – und man ihn oft mit ihm Jordan verwechselt. Daraus leitete Heckard einen Anspruch auf 52 Millionen Dollar ab, die er für „Beleidigung und andauernden Schaden“ wollte, außerdem forderte er zusätzliche 364 Millionen Dollar als Schadensersatz für „seelischen Scherz und Leiden“. Die gleiche Summe verlangte er auch noch von Nike-Mitbegründer Phil Knight und kam so auf den üppigen Betrag von 832 Millionen Dollar. Allerdings ließ er die Klage fallen, nachdem die Nike-Rechtsanwälte eine Runde mit ihm gequatscht hatten und ihm wahrscheinlich erklärten, was sie alles von ihm einklagen würden, wenn er mit dem Unsinn nicht aufhört.

Sieger des „True Stella Award“ im Jahre 2005 (bei Stern.de):

Professionelle Zauberkünstler verwirren Christopher Roller. Deshalb verklagte er die beiden US-Star-Magier David Blaine und David Copperfield zur Herausgabe ihrer Berufsgeheimnisse – oder sie müssen ihm zehn Prozent ihrer lebenslangen Einnahmen zahlen. Das wäre bei David Copperfield immerhin ein geschätzter Streitwert von 50 Millionen US-Dollar und auch bei David Blaine würden immer noch zwei Millionen US-Dollar fließen. Die Grundlage dieser Klage ist so schlicht, wie überzeugend: Roller behauptet, dass die Zauberer den Regeln der Physik trotzen, und somit „göttliche Kräfte“ einsetzen. Aber da Roller (zumindest nach eigenen Angaben) GOTT ist, stehlen ihm die beiden „irgendwie“ diese Kraft.

 Sieger des „True Stella Award“ im Jahre 2004 (bei Stern.de):

Mary Ubaudi aus Madison County, Illinois, war Beifahrerin eines Wagens, der bei einer Spritztour als Totalschaden endete. Die Schuld dafür schob sie auf die profitabelst mögliche Geldquelle, die verfügbar war: Mazda Motors, Erbauer des Unglücksautos. Ubaudi verlangte „mehr als 150.000 US-Dollar“ vom Autobauer, mit der Begründung Mazda „hätte es unterlassen, eine Anleitung für den gefahrlosen und korrekten Gebrauch der Sicherheitsgurte bereitzustellen“. Man hofft natürlich, dass die Mazda-Anwälte sie vor Gericht schwören lassen werden, dass sie noch nie zuvor Sicherheitsgurte angelegt hat. Noch, dass sie jemals mit einem Flugzeug geflogen ist und dass sie zu dumm ist, um herauszufinden, wie man einen Sicherheitsgurt anlegt.

Sieger des „True Stella Award“ im Jahre 2003 (bei Stern.de)

Marcy Noriega, Polizeibeamtin aus Madera, setzte einen Verdächtigen wegen einer Lappalie mit Handschellen gefesselt auf den Rücksitz ihres Einsatzwagens. Als dieser begann, gegen die Autoscheiben zu schlagen, wollte Noriega ihn mit ihrem „Taser“ bändigen. Unglaublicherweise nahm sie aber nicht ihre Betäubungspistole aus dem Gürtel, sondern zog ihre Dienstwaffe aus dem Halfter und schoss dem Mann in die Brust – worauf er sofort tot war. Nun sagt die Stadt Madera in Kalifornien aber, die Tötung sei nicht der Fehler der Polizeibeamtin und argumentiert „dass jeder vernünftige Polizist versehentlich die Dienstwaffe statt der Betäubungspistole ziehen könnte“. Deshalb verklagte die Stadt den Hersteller der Betäubungspistole „Taser International“ mit dem Ziel, dieser solle für jede Forderung aus dem Rechsstreit geradestehen, den die Familie des Getöteten angestrengt hatte.Was für eine Verunglimpfung gut ausgebildeter Polizisten, die sehr wohl den Unterschied zwischen einem echten und einem falschen Revolver erkennen können. Und was für ein feiger Versuch sich vor der Verantwortung für die Handlungen der eigenen, schlecht ausgebildeten Beamten zu drücken!

Ein Gastbeitrag / Erfahrungsbericht von Frank:

An einem lauen Dienstagnachmittag ging meine alleinlebende Schwiegermutter zu einer Routineuntersuchung bei einem örtlich ansässigen Arzt. Sie klagte seit Wochen über starke Kopfschmerzen bis hin zu Schwindelanfällen.

Beim Arzt angekommen wurde Sie vielerlei Untersuchungsprozeduren unterzogen, bis man auf die Vermutung einer verstopften Halsschlagader kam. Die anwesenden Ärzte verordneten eine dringliche Überlieferung meiner Schwiegermutter in die Universitäts-Kopfklinik nach Heidelberg.

Selbst Auto fahren dürfe sie nicht mehr, das müsse über das Rote Kreuz geschehen. Sie stünde unter akuter Schlaganfallsgefahr. Gesagt getan, nach einiger Wartezeit rollte ein Krankentransport des Roten Kreuzes an und sie wurde nach Heidelberg gefahren.

Dort angekommen legte man ihr als allererstes einen Zugang an den Arm und setzte Sie auf den Gang in der Notfallaufnahme. Eine Schwester nahm den Fall auf und trug dies in eine Liste ein. Eine Ärztin fragte meine Schwiegermutter nach ihrem Befinden und wies sie danach darauf hin, dass sie warten müsse. Der Zeitpunkt der Ankunft war 15:00 Uhr.

Während ich noch auf der Arbeit saß, rief mich meine Frau an und schilderte mir den dringlichen Fall und den Verdacht auf einen bevorstehenden Schlaganfall. Ich sprach kurzer Hand mit meinem Chef, der mich sofort nach hause schickte. Ich kann von Glück reden, dass ich in einer so toleranten Firma arbeite.

Daheim angekommen packten wir auf die Schnelle die wichtigsten Dinge ein, stiegen ins Auto und fuhren in den über 100 km entfernten Heimatort unserer Schwiegermutter und Mutter. Wir verständigten während der Fahrt schon die Brüder meiner Frau und meine Eltern.

Im Heimatort angekommen packten wir alle für einen Krankenhausaufenthalt nötigen Sachen ein, stiegen wieder ins Auto und fuhren nach Heidelberg, welches wir nur auf der üblichen Neckarstrecke zu erreichen vermochten. Dementsprechend langsam ging die Fahrt voran. Nach über 50 km und über einer Stunde weiterer Fahrtzeit kamen wir dann um ca. 19 Uhr in der Kopfklinik in Heidelberg an. Wir vermuteten meine Schwiegermutter bereits in einem Behandlungsraum oder auf einer Station.

Als wir am Empfang fragten, konnte uns keiner so richtig Auskunft geben. Unser Verdacht, sie befände sich wahrscheinlich immer noch auf der Notfallaufnahme, bestätigte sich leider. Angekommen in der Notfallaufnahme saß sie im Gang, zwischen weiteren Notfällen und wartete geduldig. Für mich war dies schon ein Schreckensbild.

Nachdem ich mich über die bisherigen Geschehnisse erkundigt hatte, teilte sie mir mit, dass die einzige Maßnahme der Ärzte bzw. Schwestern der Zugang am Arm gewesen sei. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon stinksauer gewesen. Ich klopfte an der Aufnahme der Notfallstation. Man ignorierte mich.

Ich klopfte ein weiteres Mal. Diesmal wandte man mir immerhin einen Blick durch den verglasten Bereich zu. Ich öffnete die Tür und fragte, was sie gedenken würden mit meiner Schwiegermutter zu tun und ob dies normal sei, dass sie Sage und Schreibe 4 Stunden ohne Essen und Trinken im Gang sitzen müsse. Man teilte mir in gelassenem Ton mit, dass zu wenig Personal vorhanden sei und man eben warten müsse. Man priorisiere hier die Fälle und meine Schwiegermutter sei einer niedrigen Priorität zugeordnet worden. Ich bat die Schwester höflich darum, doch mal eine Ärztin (welche schon die ganze Zeit in dem Aufnahmeraum stand und sich nicht sonderlich im Stress befand) danach zu fragen und mir Bescheid zu geben.

Nun war es an der Zeit für meine Schwiegermutter endlich Essen und Trinken zu besorgen. Da eine Vermutung auf einen Schlaganfall meine über 70 jährige Schwiegermutter, welche ohnehin Probleme mit Blutdruck, Vorhofflimmern und etliche andere Leiden hat –die die Ärzte dort kannten, denn sie hatten ja die Akte von ihr!- , daran hinderte sich auf die Suche nach Nahrung oder einem Tropfen Wasser zu machen, erkundigten wir uns nach den Möglichkeiten.

Am Empfang schüttelte man nur unwissend den Kopf. Hier im Umkreis gäbe es keine Möglichkeit Essen oder Trinken zu bekommen. Der Kiosk im Krankenhaus hatte bereits seit längerer Zeit geschlossen. Man könne sich ja Pizza ins Krankenhaus bestellen, eine Telefonnummer müsse man sich allerdings selbst raussuchen.

Drei Automaten existierten im Krankenhaus. Der eine Automat lieferte nur Schokoriegel. Der andere nur heiße Getränke. Der wiederum andere nur kalte Getränke (Cola, Fanta etc.). Einen Kaffee zur Stärkung wäre nun nicht schlecht gewesen. Ich warf einen Euro in den Automat, er spuckte ihn prompt wieder aus. Ich warf ein 2-Euro-Stück in den Automaten und probierte mich mit 50-Cent-Münzen , jedoch alles ohne Erfolg. Der Automat war kaputt. Er nahm nur noch 5-, 10- und 20-Cent-Münzen an. Der Empfang konnte natürlich auch nicht wechseln, also hangelte ich mich von Patient zu Patient um etwas Geld klein zu kriegen.

Nachdem wir nun einen Kaffee und einen Tee organisiert hatten, fuhren wir zu einer entfernten Tankstelle um den Rest an Marzipan- und Schokocroissants und ein paar Bifis leer zu kaufen. Mit dieser wohlschmeckenden und nahrhaften Mahlzeit bewaffnet, fuhren wir wieder zurück ins Krankenhaus, wo unsere Schwiegermutter und Mutter immer noch total fertig und müde im Gang saß.

Es war mittlerweile 21 Uhr. Zwischenzeitlich unterhielt ich mich mit einer Dame, die auf dem Gang am Bette ihrer Mutter stand. Sie hatten die alte Frau, die m.E. Ende 80 gewesen sein musste, um 14:30 Uhr mit einem Krankenwagen von einem anderen Krankenhaus eingeliefert um sie zu untersuchen. Seit 14:30 Uhr (!!!!) lag die arme, alte Frau in ihrem Krankenhausbett im Gang, klagte alle paar Minuten über Schmerzen in den Beinen und über Atemschwierigkeiten. Die Tochter meinte, sie würden auf einen freien Krankenwagen warten müssen, damit ihre Mutter in ein anderes Krankenhaus verlegt werden könne. Dies sei eine Anweisung der Heidelberger Ärzte. Wir gaben der alte Dame eine Flasche Wasser und einen Schokocroissant, damit sie wenigstens in dieser Hinsicht minimal versorgt war.

Zumindest der alten Dame ging es nun, auch wenn ich kein Arzt war, etwas besser.

Zwischenzeitlich fragte die Tochter immer wieder nach, ob denn nun ein Krankenwagen käme, man gab ihr zu verstehen, dass man für ganz Heidelberg gerade mal 3 Krankenwägen besäße und diese ständig unterwegs seien. Da blieb mir fast der Atem stocken. In Heidelberg will ich keinen Notfall haben. Da verblute ich wahrscheinlich in meiner Wohnung bevor die überhaupt zur Eingangstür reinkommen.

Nun war es 22:30 Uhr, ich hatte ca. jede Stunde eine Ärztin oder eine Schwester mit meinen Fragen genervt. Ohne Erfolg. Man habe nur 2-3 Ärzte für die Notfallstation und diese müssen sich auch noch um ihre jeweiligen Stationen kümmern, es ginge nicht schneller.

Während unserer Wartezeit kamen noch einige Schwerverletzte ins Krankenhaus und einige mit niedrig priorisierten Verletzungen. So klagte der eine über Zahnschmerzen und der andere hatte Verbrennungen am Arm. Von der kleinen Verletzung am Schädel bis hin zu lebensgefährlichen Verletzungen (O-Ton Ärztin: „Herr und Frau XY, ihr Sohn hat es überlebt“) bekamen wir an diesem Abend alles geboten.

Meine Schwiegermutter war sichtlich erschöpft und geschafft. Wie lange wir wohl noch warten müssten?

Um 23:30 Uhr, nach 8,5 Stunden Wartezeit ohne einen jeglichen Bescheid, wurde sie dann endlich aufgerufen. Man brachte sie in einen Behandlungsraum. Nach ca. 10 Minuten, wovon sich ca. 4-5 Minuten ein Arzt um sie kümmerte, kam sie zusammen mit meiner Frau wieder in den Gang. Man teilte ihr mit, und nun halte man sich fest, dass sie am darauf folgenden Morgen –egal wie- um 7:30 Uhr wieder zu erscheinen habe. Dazu drückte man ihr einen Zettel in die Hand und entfernte ihr den Zugang am Arm, der so unnötig die ganze Wartezeit darin verweilen musste. In diesem Moment hätte ich am Liebsten laut geschrien, der Ärztin eine geklebt oder etwas sinnlos zerstört, doch wir machten uns auf den Heimweg.

In dieser Nacht fuhr ich noch über 50 km mit meiner Frau und unserer Schwiegermutter und Mutter zurück in den Heimatort, danach machte ich mich auf den Weg nach hause (weitere 100 km) und kam dann ca. 03:30 Uhr in der Nacht daheim an um am gleichen morgen zur Arbeit zu gehen. Meine Frau stand mit meiner Schwiegermutter am gleichen morgen um 5 Uhr (nach ca. 2-3 Stunden schlaf) auf und sie fuhren gemeinsam nach Heidelberg zur stationären Untersuchung, wo sie nach weiteren 5 Stunden Wartezeit endlich an der Reihe war.

Armes Deutschland, was ist nur mit dir geschehen?

An dieser Stelle vielen Dank an Frank für diesen sehr interessanten Erfahrungsbericht aus der Notaufnahme einer etablierten Universitätsklinik!

Nach der Verbreitung von Kinderpornografie in der virtuellen Internet-Welt „Second Life“ hat die Betreiberfirma des Online-Spiels, Linden Lab, angekündigt, künftig ein Altersverifikationssystem einsetzen zu wollen.

Dies wurde auch in zwei Blog-Posts (hier und hier) von Daniel Linden (Gründer von SecondLife) auf dem Second Life Blog  näher beschrieben.

Was war geschehen?

Report aus Mainz hat in einem seiner Berichte dokumentiert, wie in Second Life an kindlichen Avataren sexuelle Handlungen vollzogen werden.

Nach einem massiven Aufschrei in der Community und groß angelegten und gut organisierten Online-Demonstrationen auf Second Life hat sich die Betreiberfirma Linden Lab nunmehr dazu durchgerungen (anfänglich wollte man von diesen Auswüchsen nur bedingt Kenntnis gehabt haben) eine Altersverifizierung (z.B. anhand der Personalausweisnummer) einzusetzen, um sicherzustellen, dass auf SecondLife in der „Mature“- und „Adult“-Zones keine Minderjährigen unterwegs sind.

Doch geht es darum?  

Altersverifikation? Der Sinn und Zweck ist fraglich

Nicht nur im deutschen Strafrecht (mal davon abgesehen, dass es eine Unterscheidung in Sachen Jugendstrafrecht gibt) ist es vollkommen irrelevant, ob die Person, die sich hinter einem solch kindlich wirkenden Avatar versteckt, volljährig ist oder nicht. 

Wichtig für die Auslegung eines Tatbestandes ist einzig und alleine, wie der objektive Empfänger dieses Treiben (z.B. sexuelle Handlungen an einem Objekt) wahrnimmt: Und dieser nimmt einen kindlich wirkenden Avatar im Schulmädchen-Kleid und mit langen Pferdezöpfen, der einen Teddybären und Lollys in den Händen hält, unabhängig von einer Altersverifikation auch als solches wahr.

Was soll also diese Pharse?

  • Hat Linden Lab keine anderen technischen Möglichkeiten dieser Thematik „Herr“ zu werden?
  • Fürchtet Linden Lab Umsatzeinbrüche, weil das Klientel für derartige „Spielchen“ auf SecondLife doch nicht so gering ist, wie vom Unternehmen angegeben?

Für viele ist das Chatten die optimale Möglichkeit, um neue Bekanntschaften zu machen. Oft kommt es beim anschließenden Dating auch zu sexuellen Abenteuern – in jeder Hinsicht! Im folgenden möchte ich eine wahre Geschichte veröffentlichen, die nicht nur krass, sondern leider auch bitterer Ernst ist. Die Namen der Personen habe ich selbstverständlich geändert …

Es war irgendwann im Frühjahr. Wann und wo genau, ist Nebensache. Streng genommen ist jetzt alles egal.

Stefanie und Marco lernen sich an einem Samstag mittag in ihrem Lieblingschat kennen und verabreden sich noch am selben Abend. Zuerst Kino und dann noch eine Expresstour durch die angesagtesten Clubs der Stadt – die beiden erleben den Abend so, als wenn sie sich schon Jahre kennen.

Marco lädt zu sich nach Hause ein und Stefanie folgt, zum Poppen natürlich. Beide fragen nicht nach einem Gummi, es ist scheißegal – Hauptsache Spaß! Marco weiß nicht, dass Stefanie das jedes Wochenende so macht und Stefanie weiß nicht, dass Marco erst letzte Nacht mit Anna in der Kiste lag- auch ohne Gummi, weil er es „blank“ liebt. Die 24-jährige Anna übrigens auch, vielleicht hat sie genau deshalb 6 Kinder von 4 unterschiedlichen Vätern. Aber egal, wir sind ja bei Stefanie und Marco.

Stefanie kam bis zu jenem Abend im Frühjahr auf 58 sexuelle Abenteuer mit etwa 27 verschiedenen Männern. So genau wusste sie es aber nicht mehr, ist ja auch egal. Marco steht dem schliesslich in nichts nach, er hatte bereits mit 119 Frauen geschlafen – davon nur 2 x mit Gummi. Bleiben also 117 mögliche und Stefanie, die ihn infiziert haben könnten. Ist auch nicht mehr so wichtig, ob sie Marco angesteckt hat oder er sie, denn beide hat es nicht im geringsten interessiert, was passieren kann.

Stefanie ist schon tot, AIDS gab ihren bereits vorhandenen chronischen Erkrankungen binnen kurzer Zeit den Rest. Marco lebt noch, Anna auch, sie will aber keinen Test machen, weil sie das Ergebnis umhauen könnte – sagt sie. Er ist seelisch am Ende, der Körper funktioniert aber noch ein bisschen. Wielange weiß keiner. Spielt für Marco jetzt auch keine Rolle mehr, denn sein Leben ist ein anderes. Medikamente, Behandlungen, Gespräche, welche er sich nie vorstellen konnte und nicht zuletzt die Freunde, die keine mehr sind.

Isolation steht bei Marco jetzt im Mittelpunkt und das abgrundtief schlechte Verhalten von Bekannten und seine ehemals besten Freunden. Aber so sind Menschen nunmal.

Stefanie, Marco und Anna sind nur 3 Beispiele.

  • Wieviele Menschen machen sich tatsächlich keinen Kopf über Ansteckungsgefahren?
  • Wieviele sexuelle Kontakte hat man selbst schon gehabt und wieviele davon unsafe?
  • Sicher, dass alle bisherigen Partnerinnen oder Partner sich nicht auch ab und zu mal ohne Schutz durch die Gegend gepoppt haben?
  • Wie sicher denn? Schonmal den Test gemacht oder immer davor gedrückt?
  • Wenn ja, wieviele drücken sich wohl noch so vor dem Test und machen es wie gehabt nur „blank“ ?

Während meiner Recherche zu diesem Blog-Beitrag sind mir unwahrscheinlich viele Menschen in Chats aufgefallen, die sich mit dem Thema AIDS überhaupt nicht befassen. Testet mal selbst, wieviele Leute Sex ohne Gummi suchen oder machen würden. Es ist eigentlich unfassbar!

Weltweit sind bereits ca. 40 Millionen Menschen infiziert, in Deutschland waren es bis Ende 2006 56.000 Menschen, jedes Jahr kommen allein in Deutschland ca. 2.600 Infektionen hinzu (Quelle: Robert-Koch-Institut). Man muss sich diese Zahlen mal genau vor Augen halten – das ist ein realer Alptraum! Nach Schätzung der Vereinten Nationen sterben jedes Jahr etwa 3 Millionen Menschen an AIDS!

Wenn man sich über diese Fakten im klaren ist, dann sollte auch die Gefahr einer Ansteckung ganz klar erkannt werden. Was im Chat beginnt, kann auf dem Friedhof enden – das ist Fakt! An dieser Stelle möchte ich auf folgende Infoseiten hinweisen:

„GIB AIDS KEINE CHANCE“

Den Leitsatz haben die meisten sicher schon mal gehört oder gelesen. Auf der Webseite stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umfassendes Informationsmaterial zur Verfügung. Die Seite sollte zur Pflichtlektüre gehören. Wer Risiken kennt und meidet, ist klar im Vorteil!

„DEUTSCHE AIDSHILFE“

Auch die Deutsche Aidshilfe stellt einen umfangreichen Infopool im Netz bereit. Ansteckungsrisiken, Hilfe für Betroffene und Angehörige und Online-Beratung. Dazu auch viele Infos über andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Unfassbar, soeben im Welt-Newsticker entdeckt:

Neu Delhi (dpa) – Ein verzweifelter indischer Vater will seine behinderten Töchter töten und hat Präsident Abdul Kalam in einem Brief um Erlaubnis dafür gebeten. Er habe keine andere Möglichkeit mehr, schrieb der 71-Jährige. Wie die Zeitung «The Indian Express» berichtet, schrieb der Mann, er und seine Familie bräuchten etwa 3000 Rupien im Monat zum Überleben. Doch nach zahlreichen Anträgen hätten ihm die Behörden lediglich eine Behindertenpension in Höhe von 500 Rupien für eine Tochter angeboten.

Ich lasse das man unkommentiert … und übergebe Euch meinen Stift.

Gestern war es also soweit: Impftermin. Ich war mit meiner Tochter, 14 Monate alt, zum ersten Mal alleine beim Arzt.

Bisher hat dies meine Frau übernommen und eigentlich hoffte ich insgeheim darauf, dass mir diese Qualen eines sorgenden Papas, der selbst kein Blut sehen kann und Angst vor Spritzen hat, erspart bleiben.

Da ich aber gestern später auf die Arbeit ging, weil meine Frau nach einer Pause wieder zu studieren anfing und wir uns die Pflege unserer Tochter brüderlich teilen, musste ich wohl oder über in diesen sauren Apfel beißen.

Ich setzte also meine Tochter in den Kinderwagen und ab ging die Fahrt zum Kinderarzt. Bewaffnet mit dem Impfpass und der mütterlichen Eingabe „Frag den Arzt noch nach der Zeckenschutz-Impfung“ ruderte ich durch die Straßen unserer Gemeinde. Den ganzen Weg über fragte ich mich: „Was soll ich tun, wenn die Kleine anfängt zu weinen und nicht mehr aufhört?“

Dort angekommen, verfrachtete uns die Arzthelferin auch schon gleich im Sprechzimmer und die Sekunden bis zum großen Moment, und der Arzt das Zimmer betritt, kamen immer schneller auf Anastasia und mich zu. Schweissgebadet. Hochroter Kopf.

Nachdem ich mit dem Arzt die Formalien geklärt hatte, und er der Helferin die Anweisung gab zwei Spritzen vorzubereiten, wurde ich immer unruhiger. Allein der Gedanke daran, dass diese „Monster“-Nadeln sogar in beide Oberarme meiner Kleinen gerammt werden sollten, rief „Horrorszenarien“ in meinen wirren Gehirnwindungen hervor und ließ mich zurückdenken, als ich ein kleiner Junge war und das gesamte Personal der Praxis beanspruchte um mir eine „Tetanus-Spritze“ in den aller Wertesten zu bohren.

Mit schwitzigen Händen schob ich die Ärmelchen meiner Tochter nach oben und konnte gar nicht hinsehen, als der Arzt die „Killer“-Spritzen in die dünnen Oberärmchen jagte.

Doch was war das? Kein Ton, kein Piepsen, kein Weinen? Absolut gar nichts.