Studiengebühren


Als ich diese Meldung auf N24 gelesen habe, bin ich fast vom Stuhl gefallen. Eine 18-jährige frischgebackene Abiturientin sorgt gerade mit der Versteigerung ihrer Jungfräulichkeit in Blogs von Großbritannien bis in die Türkei für große Aufregung. Das Mindestgebot liege bei umgerechnet knapp 15.000 Euro, so viel fordere das Mädchen, denn es will damit die Gebühren für sein Medizinstudium bezahlen: 

„Ich bin eine 18-jährige Jungfrau, die Studiengebühren zu zahlen hat und möchte hier mein erstes Mal verkaufen. Ich bin brünett, 75 C, grüne Augen, gut gebaut und gut aussehend.“

Dass Studenten bereits auf den Plan gekommen sind zu strippen um Ihre Studiengebühren zahlen zu können, habe ich bereits an anderer Stelle berichtet. Doch dass Studentinnen sich jetzt wie Frischfleisch im Netz zum Verzehr anbieten, ist doch etwas befremdend. Vielleicht sollte man die junge Dame mal auf mögliche Risiken hinweisen?

  • Wird sich dieser Trend noch weiter fortsetzen?
  • Oder ist das nur ein „Marketing-Gag“ einer Prostituierten, die auf „arme Studentin macht“ um höhere Gebote zu bekommen?

Die mittlerweile in fünf Bundesländern erhobenen Studiengebühren stoßen bei den Studenten weiterhin auf große Skepsis. Wie aus der Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart hervorgeht, gehen 71,2 Prozent der Gebührenzahler davon aus, dass es trotz der Geldbeiträge zu keiner Verbesserung der Lehre kommt.

Glaube an Verbesserung

Uni-Vergleich: Vergleichsweise optimistisch sind die Studierenden der Universität Hannover und RWTH Aachen (an eine Verbesserung glauben 52 % und 50,9 %). Ausgesprochen pessimistisch sind dagegen die Gebührenzahler der Universität Oldenburg und HafenCity Universität Hamburg (an eine Verbesserung glauben nur 9,5 % bzw 6,9 %).

Länder-Vergleich: Unter den Ländern zeigt sich das gleiche Nord-Süd-Gefälle wie bei der Grundeinstellung zu Studiengebühren: Die meisten Optimisten befinden sich noch in Bayern und Baden-Württemberg (an eine Verbesserung glauben 35,5 % bzw. 31,2 %), im Anschluss folgen die Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (an eine Verbesserung glauben 28,1% bzw. 26,3 %). Schlusslicht in Sachen Zukunftsglauben bildet Hamburg (an eine Verbesserung glauben 13,1 %).

Fächer-Vergleich: Im Fächervergleich befinden sich die meisten Optimisten noch unter den Studierenden der Rechts-/Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (an eine Verbesserung glauben 34 %). Besonders niedrig ist die Quote in den Fächern Sport und Kunst/Kunstwissenschaften (an eine Verbesserung glauben 22,3 % und 21,4 %).

Informationspolitik und Transparenz 

Uni-Vergleich: Als vorbildlich schätzen die Gebührenzahler die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ein, gefolgt von Regensburg und Konstanz (informiert fühlen sich 70,5 % und 67,3 % bzw. 67 %). Schlusslichter sind die Universitäten Düsseldorf, Stuttgart, TU Hamburg-Harburg sowie HafenCity Universität Hamburg (informiert fühlen sich nur 8,2 % und 9,2 % bzw. 10,2 % an der TU Hamburg-Harburg und 10,9 % an der HafenCity Universität Hamburg).

Länder-Vergleich: Spitzenreiter unter den Bundesländern ist Bayern (informiert fühlen sich 47,6 %). Mit großem Abstand folgen an zweiter Stelle die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg (informiert fühlen sich 39,3 % bzw. 34,4 %). Schlusslichter sind Nordrhein-Westfalen und Hamburg (informiert fühlen sich 21,7 % bzw. 12,7 %).

Studiengeschwindigkeit

Uni-Vergleich: Zu einem Effekt der Studiengebühren gehört, dass sich eine knappe Mehrheit der Gebührenzahler gezwungen sieht, ihr Studium in kürzerer Zeit zu absolvieren. Bundesweit bejahen 60,1 Prozent diese Frage. Den größten Ansporn verspüren Studierende an den Universitäten Hildesheim (schneller studieren wollen 78,8 % bzw. 78,2 %), geringsten Ansporn liefern Studiengebühren den Studierenden der Hochschule für Musik und Theater Hannover und TU Hamburg-Harburg (schneller studieren wollen 46,2 % bzw. 42,9 %).

Länder-Vergleich: Im Ländervergleich zeigt sich, dass gerade die Studierenden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, gefolgt von denen in Bayern, in den Studiengebühren einen Ansporn sehen, schneller zu studieren (63,3 %, 62,7 % bzw. 60,6 %). Die Studenten in Baden-Württemberg und Hamburg folgen auf den anschließenden Plätzen (54,8 % bzw. 50,3 %).

Fächer-Vergleich: Unter den verschiedenen Studienfächern sind vor allem Studierende mit Sport sowie Agrar-/Forst- und Ernährungswissenschaften und Sprach-/Kulturwissenschaften betroffen (schneller studieren wollen 73,1 % und 67,7 % bzw. 67,9 %). Geringsten Ansporn für Beschleunigung durch Studiengebühren findet sich in den Fächern Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften und Veterinärmedizin (schneller studieren wollen 54,8 % und 51,9 % bzw. 49 %).

Vorbildlich: Uni Hohenheim sorgt für Transparenz

Die Universität Hohenheim hat erste Konsequenzen aus den Ergebnissen gezogen: In Zukunft werden dort alle Bücher, PCs, Beamer und Laborgeräte, die durch Studiengebühren finanziert wurden, gekennzeichnet. Ein Aufkleber mit dem Slogan „finanziert aus Studiengebühren“ soll den Studenten bewusst machen, dass die Gelder sinnvoll angelegt wurden.

Wie wir alle wissen ist Studieren in Deutschland richtig teuer geworden: Väterchen Staat hat uns Studenten Studiengebühren bis zu 500 EUR aufgebürdet, damit wir Zugang zu den Hochschulen des Landes erhalten. Dass Studiengebühren Sinn machen, ist meiner Meinung nach unbestritten. Doch wie soll man diese aufbringen, wenn man nicht aus reichem Elternhause stammt und seine Zeit dem Studium widmen möchte?

Diese Frage haben sich auch 4 Jungs aus Erlangen gestellt und sind zum Schluss gekommen: Strip2Study.

Ich finde das Projekt keck und wünsche dem StartUP und den Modells alles Gute und viel Erfolg! 🙂