Nachdem ich mich in einem vorangegangen Blog-Beitrag mit einer nahenden Trendwende: „Das World Wide Web wird 3D“ befasst habe, stellt sich mir nun auch die Frage, ob die Blogosphere vor einem Wandel steht.

In den USA, aber auch schon hier in Deutschland, haben sich einige Blogs zu richtigen Massenmedien aufgeschwungen, die mit mehreren Autoren, mehr Leser erreichen als etablierte Zeitungen. Als Meinungsmacher (und Stimme des Volkes) weltweit anerkannt, greifen traditionelle Medien, wie Zeitungen und Fernsehen, immer häufiger, die in der Blogosphere heiß diskutierten Themen auf und schließen sich meist der dort überwiegenden Meinung und Stimmung an. 

Aber nicht nur die Presse wurde auf diese neue Darstellungsform aufmerksam.

Web 2.0: Untereinander Vernetzen ist alles! 

In Mitten dieser von Wiki’s und Weblogs geprägten Internetlandschaft erkannten vor ca. 4 Jahren auch Firmen (vor allem in den USA) ihre einmalige Chance den Mitmachgedanken des Web 2.0 in bare Münze umzuwandeln. Marketingtechnisch ist „Vom-Push-zum-Pull-Prinzip“ die Rede, bei dem untereinander vernetzte „unabhängige“ Leute, Webseiten von sich aus mit Inhalten füllen (siehe Wikipedia, YouTube, Flickr – allesamt erfolgreiche Projekte).

Mit Track-, Pingbacks, Blogrolls und Tags wurden den Weblog-Betreibern ausgeklügelte Vernetzungstechniken an die Hand gegeben, um ihre Eindrücke und Meinungen, komfortabel und themenbezogen im Web zu veröffentlichen. Neben speziellen Blog-Suchmaschinen (wie z.B. Technorati oder Google Blog-Suche) sorgte auch die mittlerweile übliche RSS-Feed-Funktion dafür, dass die mit Verlinkungen, Bildern und Videos gespickten Informationen in sekundeschnelle weltweit und direkt auf den Desktop interessierter Leser landen.

Was Mitte der 90er Jahre als „Online-Tagebücher“ für private Erlebnisse und persönlichen Erfahrungen startete, änderte sich jedoch schlagartig, als Blogs auch immer häufiger geschäftlich eingesetzt wurden. Ausgewählte Inhalte werden z.B. in sogenannten Coporate-Blogs oder durch „Berufs-Blogger“ zu Werbezwecken ins Social Web geblasen und einer breiten Öffentlichkeit vor die Nase gehalten.

„Berufs-Blogger“? Kann man denn mit bloggen Geld verdienen?

Robert Basic wollte im Januar 2007 den Beweis antreten und hat daraufhin seine Einnahmen veröffentlicht und andere Blogger dazu aufgerufen, ihm nachzueifern. Das Ergebnis für den Monat Mai 2007, ermittelt aus Daten von 117 Blogs, veröffentlichte er in einer Zusammenfassung in seinem Blog. Die teilnehmenden Blogs waren im Schnitt 13 Monate alt, verzeichneten 257.000 Page-Impressions pro Monat und 544 EUR (für einen „mittleren Blog“ lag das Mittel bei ca. 66 EUR) an Einnahmen. Gleich mehrere Ausreißer brachten es gar auf über 10.000 Euro pro Monat, und ließen daher die Statistik etwas ungleichmäßig ausfallen.

Das Interessante dabei ist, dass neben den altbekannten Affiliate-Partnerprogrammen, wie Google AdSense, ebay Relevance Ad und Amazon, die wir von herkömmlichen Webseiten kennen, auch sogenanntes Paid Blogging auftaucht – „bezahltes Bloggen“.

Paid Blogging – Rezensieren für Kohle?

Der Einfall, mit den Bloggern ein Geschäft zu machen, stammt von Ted Murphy (PayPerPost). Die Idee ist denkbar einfach: Blogger können sich für ein paar Zeilen Schleichwerbung einen netten Nebenverdienst sichern. Wie die Blogger moralisch mit der eingebetteten Werbung umgehen, ob sie den Inhalt also als Werbung kennzeichnen, sei ihnen selbst überlassen.

Einen anderen Weg geht ReviewMe. Zum einen muss der Blogger seinen Lesern mitteilen, dass es sich um Werbung handelt und zum anderen ist er nicht gezwungen eine positive Bewertung zu geben. Er kann seine eigene Meinung zu einem Produkt geben. Auch eine negative Meinung.

Widerspricht das nicht dem Grundgedanken des Bloggens?

Als die ersten deutschsprachigen Blogger bezahlte Blog-Berichte (und diese auch als solchen kennzeichneten) veröffentlichten, ging ein großer Aufschrei durch die Blogosphere. Es seien „Nestbeschmutzer“ und sie würden „ihre Seele an den Teufel verkaufen“. Doch wieso eigentlich?

  • Was ist daran verwerflich, wenn man den „Werbeblock“ als solches kennzeichnet?
  • Ist es nicht viel schlimmer, wenn man es nicht tut und dadurch unterschwellig Werbung betreibt?

Dass man bei vielen Lesern und Themen auch gut recherchieren muss und viel Zeit investiert, dürfte uns allen klar sein. Wenn man obendrein sowieso über ein bestimmtes Thema schreiben möchte und dazu eine Angebot findet, das einem unter bestimmten Bedingungen auch noch Geld dafür anbietet, ist das doch völlig legitim, oder?

Das Web 2.0 entpuppt sich als eine gewaltige Marketing-Maschinerie, die nur noch angeworfen werden muß.

Dies erkannte auch Novartis/Harris Interactive und gab als Schlussfolgerung zu ihrer 14. NetObserver-Studie an werbewillige Unternehmer folgende Empfehlung weiter:

Um Jugendliche unter 25 in ihrem bevorzugten Medium zu erreichen, ist es für Werbetreibende notwendig, ihre Werbestrategie an die Onlinekommunikation der jungen User anzupassen.

Interaktive (z.B. durch Spiele) oder „User Generated“-Werbung, ebenso wie virales Marketing sind daher die Marketingsstrategien, auf die Werbetreibende im Internet setzen sollten, um ihre junge Zielgruppe zu erreichen und die Effektivität ihrer Kampagnen zu steigern.

Da junge User die hautsächlichen Nutzer von Web 2.0-Anwendungen wie Blogs, Podcasts oder Community-Websites wie MySpace darstellen, wird die Gratwanderung für E-Marketer deswegen darin bestehen, Alternativen zu den klassischen Bannerformaten zu finden, ohne zu störend in diese „privaten“ Userbereiche einzudringen.

Wie ist Eure Meinung hierzu?

  • Würdet Ihr Euch für einen Bericht zu einer Firma / einem Produkt bezahlen lassen?
  • Und unter welchen Bedingungen würdet Ihr gegen Bares rezensieren?
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